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Dienstag, 25.03.1997
Morgens in aller Frühe um 6:00Uhr ging es los. Wir wurden mit einem kleinen Bus vor dem Hotel
abgeholt und da wir die letzten Gäste waren, ging es auch gleich los, erst einmal quer durch New
York und dann durch einen Tunnel raus aus der Stadt und auf die Interstaate in Richtung Washington.
Im Morgengrauen sehe ich auf der rechten Seite die Skyline von Manhattan, die beiden Türme vom
WTC überragen alles. Wer hätte zu dem Zeitpunkt schon daran gedacht, das uns, bei unserem
nächsten Besuch in dieser gigantischen, aufregenden, immer im Lärm versinkenden und doch
traumhaft schönen und vor allem abwechslungsreichen Stadt, gerade diese Türme so sehr fehlen
würden…………….
Als wir dann nach knapp 4,5 Stunden in Washington ankommen, sehen wir am Ortseingang einige
wunderschöne alte, kleine Häuschen. Diese wurden nicht mehr bewohnt, bis sie dann von den
ärmsten der Stadt einfach in „Beschlag genommen“ wurden. Wenn man es geschafft hat sie aus dem
einen Haus zu vertreiben, flohen sie in eins der Anderen und so werden dann, langsam aber sicher,
Fenster und Türen all dieser Häuser zugemauert und die sollen alsbald abgerissen werden. Ein
Jammer und für meine Begriffe eine Schande, so etwas schönes dann auch noch dem Erdboden gleich
zu machen.
Dann endlich geht es auf die Pennsylvania Avenue und in der Ferne sieht man schon das Capitol
(links) und dort treffen wir auch unsere Reiseleiterin die uns bei unserem Aufenthalt in der Stadt
begleiten wird.
Wir gehen durch einen Seiteneingang (unsere Reiseleiterin kennt die Sicherheitsbeamten und wir
brauchen so nicht in der Schlange zu warten), ins Capitol und hier, wo der Kongress, bestehend aus
dem Repräsentantenhaus und dem Senat, zu Hause sind, komme ich aus dem Staunen nicht mehr
heraus. Bilder, Statuen und Malereien so weit das Auge reicht. Besonders die Verzierungen im innern
der großen Kuppel haben es mir angetan. Das hatte ich so nun wirklich nicht erwartet.
Wir fahren weiter durch das Regierungsviertel, das ganz in Sandstein und Marmor gebaut ist,
wogegen man in der Altstadt, dem Stadtteil Georgetown ganze Straßenzüge mit Häusern aus rotem
Backstein vorfindet. Viele Cafes, Kneipen und Restaurants sind dort zu finden und hier legen wir zum
Essen eine Pause ein.
Viele Parkanlagen sehe ich und hier wachsen hunderte von Japanischen Kirschbäumen, die jetzt im
Moment in voller Blütenpracht stehen, ein herrliches Bild. Dann kommen wir zum Lafayette Park am
Ende des kleinen Parks konnten wir dann zum ersten Mal „The White House“ sehen. Ich hab’s erst
nicht glauben wollen, es sah zwar so aus wie man’s aus dem Fernsehen kennt aber es kam mir doch
viel, viel kleiner vor, außerdem war dort (aus Sicherheitsgründen) ein hoher, grüner Zaun angebracht
der uns zudem auch noch die Sicht versperrte.
Zwischen dem Lafayette Park und dem weißen Haus befindet sich eine kleine Strasse. Dort trafen
wir eine Spanierin (sie ist aus Galizien) die dort ihr „Zelt“ aufgeschlagen hat und seit 1981 (!) gegen
alles protestiert, was mit den USA zu tun hat. Sie sieht einfach unmöglich aus und schimpft auf Mc
Donalds und Coca Cola und die Krönung war, sie verteilte Handzettel auf denen in großen Buchstaben
zu lesen war, das weiße Haus sei das größte Bordell der Welt…….
Also, ich dachte ich sehe nicht richtig, ich war richtig sauer und habe sie angesprochen. Ich habe ihr
gesagt, das ich sehr gerne Coca Cola trinke und auch gerne mal einen Big Mac esse und ob sie denn
überhaupt wisse, was sie da tue habe ich sie gefragt. Sie wurde dann auch noch laut und frech. Ich
habe ihr gesagt, das es in Spanien auch Meinungsfreiheit gibt aber sie solle doch einmal versuchen
sich in Madrid vor ein Mc Donalds zu stellen, das gleiche zu behaupten und den Palacio de la Moncloa
(= das spanische weiße Haus) so zu beschimpfen, dann wisse sie zumindest wieviel Freiheit ihr dieses
Land hier lässt, obwohl sie so sehr darüber schimpft, denn in Spanien würde man sie sicherlich
mindestens einmal vorübergehend festnehmen. Um weitere Wutausbrüchen dieser Gewitterziege zu
entgehen bin ich dann einfach gegangen.
Weiter geht’s und wir fahren über die Arlington Memorial Bridge zu einem der bekanntesten
Friedhöfe der Welt dem Arlington National Cementery. Hier hat eins meiner ersten „Idole“ seine
letzte Ruhestätte gefunden. Hier befindet sich die Grabstätte, des am 22. November 1963 bei einem
Attentat in Dallas, erschossenen 35. Präsidenten der vereinigten Staaten von Amerika, von John F.
Kennedy.
Ich weiß es noch, als wäre es gestern Abend gewesen……. Ich war selbst erst 11 Jahre alt und durfte
mir bei meiner Tante meine Lieblingssendung im Fernsehen ansehen (wir selbst besaßen noch kein
Fernsehgerät) 20:15Uhr „Es darf gelacht werden“ hieß die Sendung, die ich so gerne sah und es
wurde später und später, es gab nur das Testbild und ab und zu eine Einblendung auf der zu lesen
war „wir erwarten eine wichtige Meldung aus Amerika und bitten um Geduld“ um kurz vor 21:00Uhr
kam dann die traurige Meldung vom Mord an JFK. Obwohl ich mich damals noch nicht für Politik
interessiert habe, war gerade JFK, vor allem nach seiner berühmten Rede vor dem Schöneberger
Rathaus, der wohl einzige Politiker von dem ich „etwas wissen wollte“ und den hatte man jetzt
ermordet. Ich war sehr, sehr traurig und erst einige Jahre später habe ich begriffen, das ich (und die
ganze Welt) diesem Mann dankbar sein müssten, obwohl das unter ihm Anfang 1962 eingeführte
Handelsembargo gegen Cuba meine Zustimmung nicht findet, werde ich ihm eins nie vergessen, denn
er hat durch sein besonnenes Handeln in der Cuba-Kriese Ende Oktober 1962 mit Sicherheit den 3.
Weltkrieg verhindert. Nun stehe ich hier an seinem Grabe und bedanke mich mit einem stillen Gebet.
In der Nähe der Grabstätte befindet sich eine kleine Plattform und rundherum steht eine kleine
Marmormauer in der eingemeißelt wurde, was er bei seiner Antrittsrede als 35. Präsident sagte:
Auf dem Rückweg sehen wir noch das Grab von JFK’s „kleinem“ Bruders Robert (Bobby) Kennedy,
das sich gleich neben dem seines großen Bruders befindet. Auch er wurde, während seines (Vor)
Wahlkampfs zur Präsidentschaft, bei einem Attentat ermordet.
Wir fahren zurück und kommen jetzt zum Lincoln Memorial. Von dort aus können wir den Obelisken
sehen der am ende eines künstlich angelegten Sees steht und in der Verlängerung sehen wir ganz
hinten noch einmal das Capitol.
Ganz in der Nähe des Lincoln Centers befindet sich das Vietnam Veterans Memorial und in einer
langen großen Wand aus dunklem Granitstein sind über 50.000 Namen von im Vietnamkriege
gefallener Soldaten eingemeißelt. Dort steht auch ein Denkmal mit drei jungen amerikanischen
"Vietnam Soldaten".
Ich habe noch nie ein Denkmal gesehen, das so echt aussieht. An einer anderen Stelle hat man in
einem Denkmal 3 Weibliche Soldaten dargestellt und um sie herum 8 Bäume gepflanzt. Die Bäume
symbolisieren die 8 in Vietnam gefallenen weiblichen Soldaten. Nichts gegen diese Gedenkstätte,
den Soldaten hilft es zwar nichts mehr aber so gibt es wenigstens von offizieller Seite eine Erinnerung
an sie.
Unser Busfahrer hatte dann noch für jeden von uns eine Freikarte zum Eintritt in das National Air and
Space Museum von Washington. Ich interessiere mich nicht groß für die Luftfahrt aber das war
wirklich nicht uninteressant. Dort sahen wir unter anderem eine der 12 original Mondfähren aus dem
Apolloprogramm. Auch die Spirit of St. Louis, mit der Charles Lindbergh 1927 als erster Mensch
alleine von New York nach Paris flog, ist dort zu sehen.
Ich habe ihn gesucht den Deutschen in Washington und fast schon hatte ich die Hoffnung aufgegeben,
da sah ich ihn doch noch im Vorgarten der „National Academy of Siences“ und aus dem fahrenden
Bus heraus, habe ich ihn doch noch "erwischt".
Nun geht es zurück nach New York. Im Hotel Mariott Marquise, im Drehrestaurant "The Views", mit
herrlichem Blick auf den Big Apple, habe ich einen Tisch reserviert. Hier werden wir heute Abend
essen. Heute ist der Namenstag meiner Frau und um 0:00Uhr werden wir auf meinen 45sten
Geburtstag anstoßen.
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